Wilder Tee von Wald und Wiese

Die leckersten und interessantesten Wildpflanzen für Tee

Tee oder Kaffee? Für mich ist die Antwort klar: beides. Doch während der Kaffee naturgegeben von weit her kommt, mag ich meinen Tee von so nah wie möglich - und am allerliebsten wild. Dabei bin ich immer auf der Suche nach besonders leckeren und interessanten Wildpflanzen für Tee. Meine Favoriten habe ich im Folgenden aufgelistet.

Vorab: Während es mir vor allem um den Geschmack geht, haben Wildpflanzen aber auch oft eine heilkräftige Wirkung. Dazu habe ich ganz unten zwei tolle Quellen verlinkt.

Eine gute Basis

Die folgenden Pflanzen sind eher mild und weich im Geschmack. Sie schmecken hervorragend alleine, sind aber auch eine gute Basis für Teemischungen.

Himbeer- / Brombeerblätter

Himbeer- und Brombeerblätter sind Klassiker und finden sich auch in allerlei Teemischungen im Laden wieder.

Verwendete Teile: Blätter.

Achtung in der Schwangerschaft: Himbeerblättertee wird sowohl bei Kinderwunsch als auch in den letzten Tagen und Wochen der Schwangerschaft empfohlen, da er die Durchblutung anregen und damit unter anderem Wehen fördern soll. Es sollte daher gut überlegt werden, ob der Tee auch im mittleren Teil einer Schwangerschaft getrunken werden sollte - Hebammen helfen bei dieser Frage weiter.


Brennnessel

Brennesselblätter ergeben ein ganz charakteristisches, wildes Aroma im Tee. Der Tee wird recht herb. Ganz großartig passt ein Schuss Zitronen- oder Limettensaft in den Tee. Die Mischung aus herb und sauer - eventuell auch noch gesüßt - und dann schön kalt ergibt einen super Eistee.

Verwendete Teile: Blätter.

Geschmack: herb, charakteristisch.


Löwenzahn

Löwenzahnblätter bringen einen recht bitteren Geschmack mit sich, daher verwenden ihn manche nur in kleinen Mengen - andere schwören auf einen reinen Löwenzahnaufguss.

Verwendete Teile: Blätter, Blüten.

Geschmack: etwas bitter.


Weißdorn

Weißdorn-Tee schmeckt recht neutral. Da er als herzkräftigend gilt, jedoch erst bei längerer Anwendung, ist er eine interessante Wildpflanze für alltägliche Tee-Mischungen.


Verwendete Teile: Blüten, Blätter und Früchte.

Geschmack: mild.



Aromatische Akzente

Hagebutten

Hagebutten können im Herbst gesammelt werden. Sie können ganz und frisch als Tee aufgegossen werden oder aber getrocknet, wobei es sich empfiehlt die Hagebutten zu halbieren, sodass sie leichter und schneller trocknen. Wer aus den Hagebutten durch Köcheln ein Mus herstellt und dafür die Masse durch ein Sieb streicht, kann die festen Überreste aus Schalen und Nüsschen trocknen und für Tee aufbewahren.

Verwendete Teile: Hagebutten (Früchte der Rose).

Geschmack: leicht säuerlich.

Rosenblätter

Rosenblätter schmecken wie sie riechen: herrlich blumig. Werden die Rosenblätter gesammelt, wenn sie schon leicht locker sind - vorsichtig daran ziehen -, also kurz bevor sie selbst abfallen, stehen die Chancen gut, dass hier die Blüte schon von Insekten befruchtet wurde und es später an der selben Stelle auch eine Frucht (Hagebutte) geben wird.

Verwendete Teile: Blütenblätter.

Geschmack: blumig.

Gundermann

Der Gundermann hat einen überraschend minzig-würzigen Geschmack. Reibt man ein Blatt zwischen den Fingern, ist das minzige im charakteristischen Geruch ebenfalls zu finden. Er eine der aromatischsten Wildpflanzen und - je nach Standort - (fast) das ganze Jahr über zu finden.

Verwendete Teile: ganzes Kraut.

Geschmack: minzig, würzig, herb.


Holunderblüten

Aus Holunderblüten lässt sich nicht nur Sirup herstellen, sie machen sich auch besonders gut im wilden Tee - egal ob frisch oder getrocknet. Er wärmt besonders gut von innen und wird mit seiner schweißtreibenden Wirkung auch in der Naturheilkunde verwendet.

Verwendete Teile: Blüten.

Geschmack: blumig, charakteristisch.


Wilder Thymian (Quendel)

Auch der würzige Thymian macht sich sehr gut im Tee. Sofern kein Schnee liegt, finden wir ihn sogar in den Bergen das ganze Jahr über.

Verwendete Teile: ganzes Kraut.

Geschmack: würzig.


Labkrautblüten

Labkrautblüten haben einen intensiven Geschmack nach Honig. Durch ihre strahlend gelbe Farbe, die sie auch beim Trocknen größtenteils behalten, machen sie auch optisch was her.

Verwendete Teile: Blüten und Kraut.

Geschmack: honigartig.

Fichte, Tanne, Douglasie, Kiefer

Nadelbäume können das ganze Jahr über beerntet werden. Auch wenn es verlockend ist, junge Bäume zu beernten, weil man bei den älteren nicht immer an die Zweige kommt: diese sollten verschont bleiben und insbesondere sollten nicht die Spitzen oben gekappt werden, damit sie in Ruhe kräftig werden können. Tipp: im Winter finden sich auf dem Waldboden oft kleine Zweigspitzen. Diese werden von Eichhörnchen abgetrennt, um an die daran befindlichen Knospen zu kommen und anschließend fallen gelassen.

Im Frühjahr kann aus den jungen Triebspitzen (Wipfeln) ein fein-säuerlicher Sirup hergestellt werden, der sich ebenfalls gut im Tee macht.

Verwendete Teile: Triebspitzen und Nadeln.

Geschmack: je nach Art z.B. zitronig (Fichte), orangig (Douglasie), mandarinig (Tanne).

Achtung: es muss unbedingt sicher gestellt werden, dass es sich um keine Eibe handelt - bei dieser sind unter anderem die Nadeln giftig! Die größte Verwechslungsgefahr besteht mit der Tanne.


Teemischungen

Natürlich sind die Kombinationsmöglichkeiten endlos. Hier sind einige Ideen:

  • Brennnessel und Holunderblüte (herb und fruchtig)
  • Brennnessel und Hagebutte (herb, fruchtig, säuerlich)
  • Gundermann und Brennnessel (minzig und herb)
  • Rosenblüten und Gundermann (blumig und minzig)
  • ...


Trocknung und Aufbewahrung

Wir trocknen jedes Jahr eine je nach Beliebtheit größere oder kleinere Menge an Blättern und Beeren für Tee. Dazu breiten wir sie auf selbstgemachten Gittern aus, die wir irgendwo in der Wohnung an einen hoch gelegenen, warmen, luftigen Ort stellen.

Anschließend kommen sie - am Stück - in luftdichte Gläser, die mit dem Namen und dem Abfülldatum beschriftet werden. Die Pflanzen sollten nicht zu lange so offen liegen bleiben, weil sich mit der Zeit allerlei Staub, Tierhaare und Kleintiere darauf sammeln können. Motten sind ein häufiges Problem bei Tee. Unser Eindruck ist, dass die Gefahr für Mottenbefall steigt, je länger die Pflanzen nach dem Trocknen noch offen herumliegen. Außerdem versuchen wir, die Tees innerhalb eines Jahres aufzubrauchen, denn auch bei längerer Lagerung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Motten sich im Glas ausbreiten.

Erst für die Zubereitung zerkleinern wir die getrockneten Kräuter, sodass besonders viel Aroma erhalten bleibt und dann auch, in zerkleinertem Zustand, an den Tee abgegeben wird.


Wildpflanzen als Heilkräuter im Tee verwenden

Wildpflanzen, die als besonders heilkräftig gelten und die wir selbst medizinisch verwenden - wie etwa Spitzwegerich oder Schafgarbe - verwenden wir nur in kleineren Mengen als Tee im Alltag. Der Hintergedanke ist der, dass sich der Körper nicht allzusehr an die Wirkstoffe gewöhnen soll, sodass sie dann, im Krankheitsfall, voll ihre Wirkung entfalten können.

Da wir selbst mehr im Reich der kulinarischen Möglichkeiten von Wildpflanzen schweben und nur gelegentlich für eigene Zwecke Wildpflanzen speziell für Heilzwecke nutzen, möchte ich in diesem Punkt an zwei Heilkräuter-Expertinnen verweisen:

Bei ihnen gibt es wichtige Infos zu Heilzwecken und zur Zubereitung - etwa welche Pflanzen besser kalt aufgegossen werden sollten, um die wertvollen, heilsamen Inhaltsstoffe zu erhalten.

13.02.2020
Nadine